
Lukas de Rougemont, Präsident
Eröffnungsrede DV 2026
Werte Delegierte von swisssem. Werte Ehrenmitglieder, liebe Vorstandskollegen. Werte Gäste: Die zahlreichen Vertreter aus den Vermehrungsorganisationen, der Handelsbetriebe, der Zertifizierungsstellen der Züchtungs- und Forschungsanstalten des Bundes. Werte Vertreter der uns nahestehenden Produzenten- und Branchenorganisationen. Liebe Mitarbeiter und Verwaltungsräte der Firma DSP AG. Werte Anwesende der Presse!
Es ist mir eine Ehre, jede und jeder von Euch heute hier in Murten zur hundertvierten Delegiertenversammlung des Saatgutproduzentenverbandes swisssem willkommen zu heissen.
Ich erlaube mir, mit einem kurzen geopolitischen Aussenblick meine Ausführungen zur diesjährigen Delegiertenversammlung beginnen. Wir haben allen Grund dazu, denn die Welt scheint sich momentan wieder einmal etwas schneller zu drehen als auch schon. Das Recht des Stärkeren wird uns mit aller Deutlichkeit vor Augen gemalt. Wie hungrige Raubtiere benehmen sich die Grossmächte und teilen sich die Welt neu auf. Russland greift nach der Ukraine, die USA sichern sich ihre Vormachtstellung in Venezuela und im gleichen Atemzug formuliert der mächtigste Mann der Welt, US-Präsident Donald Trump, seinen Besitzanspruch auf Grönland. Vielleicht etwas weniger präsent, aber nicht weniger brisant schielt zudem der chinesische Xi Jinping auf die Insel Taiwan und wartet auf die Gunst der Stunde. Staaten haben keine Freunde, nur Interessen! Nötigenfalls ist jedes Mittel recht, als «Brechstange» eingesetzt zu werden, sei’s militärisch, zollpolitisch oder durch Regierungsumstürze.
Derweil versammeln wir uns hier in einem Kleinstaat – als noch kleinerer Verband – zu unserer jährlichen Delegiertenversammlung und befassen uns mit den spezifischen Interessen unserer beschaubaren Mitgliederzahl, den Schweizer Saat- und Pflanzgutproduzenten. Man neigt dazu zu meinen, es sei vor dieser Drohkulisse und diesen «Gottesdiensten» der Grossen und Mächtigen völlig bedeutungslos, sich um eine inländische Saat- und Pflanzgutversorgung zu kümmern. Aber Obacht – und jetzt rede ich zu Euch Delegierten, zu Euch Saatgutproduzentinnen und -produzenten: Dieser Vormittag gehört Euch! Und zwar völlig berechtigt! Ich bin der festen Überzeugung, dass Eurer Arbeit und der fokussierten Art, wie Ihr das macht, kaum genug Bedeutung zugemessen werden kann. Man kann es nicht genug wiederholen – und wechsle zur «wir – Form»: Als Vermehrungsbetriebe sind wir das wesentliche Bindeglied zwischen der Sortenzüchtung und dem Saatgutmarkt von zertifiziertem Saatgut. Von Saatgut also, wo der Kunde weiss, was er kauft, garantiert und verbrieft auf jeder Etikette mit dem Bundeskreuz. Unsere Arbeit ist damit eine wichtige Leistung im Dienst der nationalen Versorgungssicherheit. Dies erfordert einen hohen Organisationsgrad. Unser Verband swisssem ist bestrebt, für möglichst gute Rahmenbedingungen aller Beteiligten in der Saatgutbranche zu sorgen. Vorab für uns Produzenten, für die Ordnung im System – für Koordination statt Chaos. Aber auch als Bindeglied zu den allseits hochgeschätzten Vermehrungsorganisationen, zu den Züchterhäusern, zu den Zertifizierungs- und weiteren Amtsstellen steht unser Verband Tag für Tag in der Verantwortung. Kurz gesagt kümmert sich swisssem um all den nicht minderwichtigen «Kram» rundherum, damit wir Saatgutproduzenten uns auf unsere Arbeit auf «der Scholle», in den Kulturbeständen und auf unseren Betrieben fokussieren können. Swisssem bietet uns Produzenten damit trotz seiner äusserst schlanken Struktur einen fetten Mehrwert. Mit einem Augenzwinkern erkläre ich hiermit die Delegiertenversammlung als eröffnet.
Bevor wir den Tätigkeitsbericht genehmigen, möchte ich im Sinne eines «Kurzberichtes des Präsidenten» doch auf ein paar positiven Meilensteine und wichtige Themen eingehen, die uns im vergangenen Jahr begleitet haben.
- Erstens haben wir gute Neuigkeit ab dem Feld: Nach einem sehr schlechten Ackerbaujahr 2024 konnten wir mit grosser Erleichterung wieder eine gute Saatgetreideernte und gar eine ausgezeichnete Pflanzkartoffelernte 2025 zur Kenntnis nehmen. Dies versetzt die Vermehrungsorganisationen in die Lage, den Markt mit genügend Saat- und Pflanzgut zu bedienen.
- Delegation der Betriebskontrollen für Pflanzkartoffeln an swisssem: Im vergangenen Jahr konnte der langersehnte neue Dienstleistungsvertrag für die Delegation der Betriebskontrollen an swisssem mit dem Bundesamt für Landwirtschaft unterzeichnet werden und rückwirkend ab 1.1.25 in Kraft tregen. Die jahrelange – ich erwähne das Thema bereits zum dritten Mal an einer DV – die jahrelange beharrliche Arbeit von Christof Rüfenacht, Adian Krähenbühl und Joël Grossrieder an diesem komplexen Dossier hat sich ausbezahlt und das erste Jahr ist bereits abgerechnet. Im Namen von swisssem bedanke ich mich für das Vertrauen des Bundesamtes für Landwirtschaft in unsere Arbeit. Auch Adrian, Joel und Christof sei an dieser Stelle herzlichst gedankt! Ein erfolgreiches Dreamteam!
- Erhöhung der Einzelkulturbeiträge für Saat- und Pflanzgut ab Anbau 2026: Um an die Anfänge unserer Forderung nach höheren Einzelkulturbeiträgen für Saat- und Pflanzgut zu gelangen, muss ebenfalls mehrere Jahre zurückgeblättert werden. Dass die Bundesverwaltung unserer Forderung grundsätzlich nachgekommen ist, habe ich vor einem Jahr bereits vermeldet. Die sinkende Anbaubereitschaft in einem zu wichtigen Sektor hat das BLW zum Handeln genötigt. 1’500 Franken pro Hektare Pflanzkartoffel-, Saatmais-, Futtergräser- und Kleesamenfläche ist das Ergebnis. Ein Erfolg, der ab diesem Jahr Realität wird.
Im vergangenen Jahr haben wir nichtsdestotrotz in einem weiteren Anlauf mit Vertretern der ganzen Kartoffelbranche beim BLW vorgesprochen und auf die nach wie vor ungleiche Parität der Wirtschaftlichkeit zwischen der Produktion von Speise- und Industriekartoffeln im Vergleich zum Pflanzkartoffelbau hingewiesen. Ziel war unsere neue Forderung für Fr. 2’500.- /ha Pflanzkartoffelfläche zu erklären – ergebnislos auf Stufe Verwaltung. Mit Hilfe des Schweizer Bauernverbandes und über den parlamentarischen Budgetprozess wurde das Anliegen dann auf der politischen Schiene eingebracht und hat die Beratungen in beiden Kammern überstanden. Somit gelten für 2026 Fr. 2’500.- Einzelkulturbeitrag für Pflanzkartoffeln. Der Bund stärkt somit massgeblich die Wirtschaftlichkeit der einheimischen Pflanzkartoffelproduktion und sichert die Anbaubereitschaft zum Wohle der Versorgungssicherheit deutlich. Es ist mir ein Anliegen, allen Beteiligten aus den Verbänden und der Politik für ihre Mithilfe zu danken. - Landkauf: Wie ihr dem Tätigkeitsbericht entnehmen konntet. Wurde uns im vergangenen Jahr von der Firma Itea Immobilien AG, eine Ackerland- Parzelle von 4.3ha in Domdidier zum Kauf angeboten. Diese Parzelle wird bereits seit vielen Jahren durch DSP AG bewirtschaftet, welche sich aber ausserstande sah, das Land so kurzfristig selbst zu kaufen. Der Entscheid, dass swisssem einspringt und dieses Landstück erwerben könnte, hat im Vorstand sofort und uneingeschränkt Zustimmung erfahren. Das formelle OK der Behörde für Grundstückverkehr des Kantons Freiburg wurde uns trotz fehlender Selbstbewirtschaftung problemlos erteilt, da es sich um eine Arrondierung eines bereits bestehenden Parzellenportfolios handelte.
Mir ist sehr wohl bewusst, dass der Kauf oder Handel von landwirtschaftlichen Grundstücken nicht zum Kerngeschäft von swisssem gehört, aber diese Gelegenheit im Sinne und zum Nutzen unserer Tochterfirma haben wir uns nicht entgehen lassen wollen.