{"id":3145,"date":"2020-02-11T11:45:45","date_gmt":"2020-02-11T10:45:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.swisssem.ch\/?page_id=3145"},"modified":"2020-04-30T16:03:19","modified_gmt":"2020-04-30T14:03:19","slug":"die-gaerten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.swisssem.ch\/de\/ueber-uns-2\/stiftung-schloss\/die-gaerten\/","title":{"rendered":"Die G\u00e4rten"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Die G\u00e4rten<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"678\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.swisssem.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC_1757-1-678x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3415\" srcset=\"https:\/\/www.swisssem.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC_1757-1-678x1024.jpg 678w, https:\/\/www.swisssem.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC_1757-1-199x300.jpg 199w, https:\/\/www.swisssem.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/DSC_1757-1-768x1160.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Schloss Delley und die G\u00e4rten von Tobie de Castella<\/h2>\n\n\n\n<p>Vor fast 250 Jahren hat ein weltoffener Spross des Freiburger Adelsgeschlecht der de Castella auf dem Gut von Schloss Delley \u2013 heute Sitz der Schweizer Saatgutbranche \u2013 ein erstaunliches Kleinod von Gartenbaukunst, ganz beseelt vom Geist der Aufkl\u00e4rung, &nbsp;geschaffen. Seit 1767 Schlossherr von Delley, pflegte Tobie de Castella (1733-1815) mehr als 30 Jahre lang sein Landgut und legte in der N\u00e4he des Schlosses G\u00e4rten an, insbesondere eine Eremitage, die heute leider verschwunden ist. Sie gelten als franz\u00f6sische Ausdrucksform der \u00abFerme orn\u00e9e\u00bb (\u00abgeschm\u00fccktes Bauerngut\u00bb), eines speziellen Typs der englischen Gartenarchitektur. Die Garten-Sch\u00f6pfungen sind im Zusammenhang mit Tobies Lekt\u00fcre der Gartenliteratur zu sehen, die ab 1770 einen bemerkenswerten Aufschwung in Europa erlebte. Dieser Leidenschaft Tobies de Castella verdanken wir die Tatsache, dass sich in Delley eine englisch-chinesische Eremitage befand, die bereits 15 Jahre vor der ber\u00fchmten Schweizer Eremitage in Arlesheim (1785) entstanden ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die \u00abFerme orn\u00e9e\u00bb oder das Sch\u00f6ne und das N\u00fctzliche<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Herrenhaus der Familie de Castella de Delley, 1706 errichtet, befindet sich in einzigartiger Lage \u2013 Blick zum Jura im Westen und zu den Alpen im Osten. Hier h\u00e4lt sich Tobie de Castella des L\u00e4ngeren auf, nachdem er 1767 seine milit\u00e4rische Laufbahn beendet hat. In einer Epoche, wo Natur und Landschaft entdeckt und thematisiert werden, nimmt er aufwendige Umgestaltungen auf dem Gut vor. So erweiterte er das Hauptgeb\u00e4ude um zwei Fl\u00fcgel und legt ab 1769 im Osten und Nordosten des Herrenhauses eindrucksvolle G\u00e4rten und eine Einsiedelei an, die er in der Folge \u00fcber 30 Jahre lang pflegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Garten, zwischen Herrenhaus und Kapelle gelegen und durch eine sch\u00f6n geschnittene Hecke begrenzt, ist dem Zeitgeist entsprechend ganz der Sch\u00f6nheit verpflichtet. Als Kontrast dazu verweisen zwei der Hausfassade vorgestellte Bienenh\u00e4user auf die nutzbringenden Funktion des Gartens \u2013 Verbindung des Sch\u00f6nen mit dem N\u00fctzlichen (s.Abb.2). Dieser Doppelzweck der Anlage entspricht dem typischen Charakter der \u00abFerme orn\u00e9e\u00bb oder \u00abdecorated Farm\u00bb, einer Sonderform des Englischen Gartens des 18. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Bibliothek der Castellas befindet sich auch das Werk &#8222;Observation on Modern Gardening&#8220;, &nbsp;eine gartentheoretische Schrift des Engl\u00e4nders \u202aThomas Whately aus dem Jahre 1770. Dieser wendet sich darin gegen eine \u00dcberzahl von Staffagebauten und bef\u00fcrwortet eine empfindsam-romantische Landschaftsgestaltung. Seine Ideen haben gro\u00dfen Einfluss auf die Entwicklung des Landschaftsgartens im \u00fcbrigen Europa. Im Gegensatz zu den barocken Gartenanlagen, welche die Natur in geometrisch exakte Formen zw\u00e4ngt, soll sich hier eher das Prinzip der nat\u00fcrlichen Landschaft widerspiegeln. Im Sinne eines \u201ebegehbaren &nbsp;Landschaftsgem\u00e4ldes\u201c sollen abwechslungsreiche Eindr\u00fccke den Betrachter \u00fcberraschen und vergn\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Philosophie Jean-Jacques Rousseaus und dessen Sensibilisierung f\u00fcr die \u00c4sthetik des Erhabenen und des Sch\u00f6nen und dem Ideal eines Lebens n\u00e4her an der Natur beeinflussen die neuen Konzepte der Gartenbaukunst.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Tobie de Castella versucht nun, sein ganzes Anwesen nach diesen Vorstellungen zu gestalten: die landwirtschaftlich genutzten Bereiche des Anwesens sollen \u00e4sthetisch mit den nur dekorativ genutzten Gartenbereichen zu einer Einheit verbunden werden. Dieses Konzept der Verbindung von \u00c4sthetik und Funktionalit\u00e4t wird auch sichtbar in einem Reservoir, das von einer Platane flankiert wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Neuengland und der Geist der Freiheit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die so genannte Neuenglische Promenade besteht aus zwei Gruppen von je vier zu einem Sonnenschirm geschnittenen Platanen. Sie sind inspiriert vom Modell des Anglo-Chinesischen Gartens, das in der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts fast \u00fcberall in Europa zitiert wird. Eine dieser Platanen hat bis heute \u00fcberlebt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Name Neuenglische Promenade verweist auf das England der neuen G\u00e4rten, doch d\u00fcrfte ihn Tobie auch gew\u00e4hlt haben, um seine Begeisterung f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit und Freiheit auszudr\u00fccken, die sich die Kolonien in Neuengland im Nordosten der Vereinigten Staaten im amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieg (1775\u20131783) erk\u00e4mpft hatten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Im Wald wohnt die Weisheit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Collage, die Tobie auf die R\u00fcckseite eines der Aquarelle mit Ansichten des Herrenhauses Delley klebt, belegt ein doppeltes Interesse f\u00fcr die B\u00e4ume und den Wald. Im Zuge der Entdeckungsreisen in andere Kontinente werden \u00fcberall in Europa botanische G\u00e4rten angelegt, die wiederum einen grossen Einfluss auf die Gartengestaltung haben. Die Platanen, die Mitte des Jahrhunderts von Kleinasien nach Mitteleuropa gelangen, interessieren Tobie. Ebenfalls die Pflege und Veredelung von Obstb\u00e4umen und auch seltene B\u00e4ume, wenn m\u00f6glich fremde oder exotische haben es ihm angetan. Andererseits ist f\u00fcr ihn der Wald ein mystischer Ort, ein Ort der Zuflucht, Spiritualit\u00e4t und der Suche nach Weisheit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Eremitage \u2013 ein Ort der Kontemplation&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Ab 1769 &nbsp;beginnt Tobie mit der Errichtung einer Eremitage, die heute nicht mehr existiert. Die an den Wegen dieser Einsiedelei angebrachten Inschriften geh\u00f6ren wohl zu den ungew\u00f6hnlichsten Aspekten seines Gartens. Zu jener Zeit waren solche Sinnspr\u00fcche, die einer chinesischen Tradition entsprachen, \u00fcberall in Europa anzutreffen. Ihre Pr\u00e4senz sollte dem Spazierg\u00e4nger helfen, die verschiedenen Orte des \u00absinnlichen\u00bb Gartens wahrzunehmen und zu deuten. In Delley haben diese auf Papier gedruckten Inschriften selten einen direkten Bezug zum Garten, sondern sind eher gefl\u00fcgelte Worte mit allgemeinen moralischen, religi\u00f6sen und politischen Betrachtungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Apfel f\u00e4llt nicht weit vom Stamm \u2013 die nachhaltigen Erben des Tobie de Castella<\/h2>\n\n\n\n<p>Als Pierre de Castella, der letzte Besitzer aus dieser Familie, das Schloss mit den zwei dazugeh\u00f6renden Gutsbetrieben im Jahre 1941 erbte, war das Geb\u00e4ude seit dreissig Jahren unbewohnt und hatte unter anderem zum Trocknen von Tabakbl\u00e4ttern gedient. Pierre de Castella l\u00e4sst das Schloss teilweise renovieren und nimmt Wohnsitz in Delley. Der Schweizerische Saatzuchtverband (SZV) kaufte den an die Schlossanlage angrenzenden Betrieb im Jahr 1975. Im Jahr 1983 gelangte die gesamte Schlossanlage an die Stiftung Schloss Delley und wurde Sitz der Schweizer Saatzuchtbranche. Ab 1984 wurden das Schlossgeb\u00e4ude und die Kapelle in mehreren Etappen renoviert und restauriert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<!-- linklist component -->\n\n\t<ul class=\"linklist\">\n\t\t\t\t\t<li>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.swisssem.ch\/de\/ueber-uns-2\/stiftung-schloss\/bibliografie\/\" target=\"\">\n\t\t\t\t\t<span>\n\t\t\t\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" data-name=\"Ebene 1\" viewBox=\"0 0 23.82 20.35\">\n\t\t\t\t\t\t\t<path d=\"M13.51 20.35L12 18.75l7.56-7.42H0V9h19.52L12 1.6 13.51 0l10.31 10.18z\"\/>\n\t\t\t\t\t\t<\/svg>\n\t\t\t\t\t<\/span>\n\t\t\t\t\tBibliografie\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t<\/li>\n\t\t\t<\/ul>\n<!-- end of linklist component -->\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die G\u00e4rten Das Schloss Delley und die G\u00e4rten von Tobie de Castella Vor fast 250 Jahren hat ein weltoffener Spross des Freiburger Adelsgeschlecht der de Castella auf dem Gut von Schloss Delley \u2013 heute Sitz der Schweizer Saatgutbranche \u2013 ein erstaunliches Kleinod von Gartenbaukunst, ganz beseelt vom Geist der Aufkl\u00e4rung, &nbsp;geschaffen. 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